Angstfrei zum Grundeinkommen

Die angstfreie Umsetzung des bedingungslosen Grundeinkommens - BGE

Angst­frei zum Grun­deinkom­men > Vorschlag für einen Stufen­plan > Wer soll das bezahlen?

Die Angst vor Veränderungen

Wo immer auch ein Vorschlag auf­taucht, ist ein „Es geht nicht!“ eben­falls nicht weit. Das bedin­gungslose Grun­deinkom­men bildet da keine Aus­nahme. Kaum ste­hen entsprechende Ideen im Raum, ste­hen die Gege­nar­gu­mente auch schon Schlange:

  • Wer soll das bezahlen?
  • Dann geht ja kein­er mehr arbeit­en!
  • Wer macht dann die Dreck­sar­beit?
  • … und viele weit­ere.

Solche reflex­haften Reak­tio­nen sind nichts Ungewöhn­lich­es. Neue Ideen stoßen oft zunächst auf Ablehnung – nicht unbe­d­ingt, weil sie falsch sind, son­dern weil sie gewohnte Überzeu­gun­gen infrage stellen. In der Psy­cholo­gie wird dieses Phänomen auch als Sem­mel­weis-Reflex beze­ich­net.

Damit diese und weit­ere Ein­wände nicht ver­loren gehen, wur­den einige von ihnen in dem nach­ste­hen­den BGE-Ausre­den­gener­a­tor gesam­melt. Mit jedem Klick auf den nach­fol­gen­den But­ton erscheint ein zufäl­liges Gege­nar­gu­ment und wer ein paar Mal klickt erken­nt eventuell die eine oder andere Muster­wieder­hol­ung.1Haupt­säch­lich auf Basis der „über­zo­ge­nen Angst vor Kon­trol­lver­lust“.

Und wer macht dann die Drecksarbeit?

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment set­zt voraus, dass bes­timmte Arbeit­en nur erledigt wer­den, weil Men­schen aus wirtschaftlich­er und damit exis­ten­zieller Not dazu gezwun­gen sind. Es akzep­tiert damit stillschweigend ein Sys­tem, in dem einige Tätigkeit­en so schlecht bezahlt oder so wenig anerkan­nt sind, dass sie ohne Druck kaum jemand frei­willig übernehmen würde.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Wenn eine Arbeit gesellschaftlich notwendig ist, gibt es grund­sät­zlich drei Möglichkeit­en:

  • Die Arbeit wird bess­er bezahlt.
  • Die Arbeits­be­din­gun­gen wer­den verbessert.
  • Die Arbeit wird stärk­er automa­tisiert oder tech­nisch erle­ichtert.

Genau diese Entwick­lun­gen lassen sich bere­its heute beobacht­en. Viele Tätigkeit­en, die früher als „Dreck­sar­beit“ gal­ten, wer­den heute von Maschi­nen über­nom­men oder sind deut­lich bess­er organ­isiert.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Wenn eine Arbeit so unan­genehm oder schlecht bezahlt ist, dass sie nur unter Exis­ten­z­druck erledigt wird – liegt das Prob­lem dann beim Grun­deinkom­men? Oder eher bei den Arbeits­be­din­gun­gen dieser Tätigkeit­en?

Übri­gens – schon gewusst?

Wenn Men­schen sich zwis­chen har­ter Arbeit und Demü­ti­gung entschei­den müssen, stimmt oft etwas mit den Arbeits­be­din­gun­gen nicht. Ein iro­nis­ch­er Spruch bringt diesen Wider­spruch auf den Punkt:

„Wenn ich gedemütigt wer­den möchte, gehe ich frei­willig zur Dom­i­na – aber nicht für einen Hunger­lohn zur Arbeit.“

Der Gedanke dahin­ter ist ernst: Arbeit darf anstren­gend sein – aber sie muss fair bezahlt und mit Respekt behan­delt wer­den. Sie darf niemals Men­schen in die Erwerb­seinkom­men­spros­ti­tu­tion treiben.

Dann geht ja keiner mehr arbeiten!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment set­zt voraus, dass Men­schen nur dann arbeit­en, wenn sie wirtschaftlich oder exis­ten­ziell dazu gezwun­gen wer­den. Es unter­stellt also ein Men­schen­bild, in dem Tätigkeit vor allem aus Exis­ten­zangst entste­ht.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Erfahrun­gen aus ver­schiede­nen Grun­deinkom­mens- und Trans­fer­ex­per­i­menten zeigen ein anderes Bild:

  • Die Erwerb­sar­beit sinkt nur ger­ingfügig.
  • Was zunimmt, sind Weit­er­bil­dung, Selb­st­ständigkeit und Care-Arbeit.
  • Auch die psy­chis­che Sta­bil­ität verbessert sich mess­bar.

Hinzu kommt ein oft überse­hen­er Punkt:

  • Mil­lio­nen Men­schen leis­ten regelmäßig unbezahlte Über­stun­den.
  • Noch mehr engagieren sich frei­willig – in Vere­inen, bei der Feuer­wehr, in sozialen Pro­jek­ten oder in der Nach­barschaft­shil­fe. Dieses Engage­ment entste­ht nicht aus Exis­ten­z­druck, son­dern aus Ver­ant­wor­tung, Sinn und Gemein­schaft. Wenn Men­schen nur unter Zwang arbeit­en wür­den, gäbe es kein Ehre­namt.

Men­schen hören also nicht auf, tätig zu sein. Sie entschei­den nur freier was, wie und für wen sie arbeit­en.

Hier­raus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Wenn Men­schen tat­säch­lich nur unter Exis­ten­z­druck arbeit­en wür­den – wäre das ein Sys­tem, das wir wirk­lich vertei­di­gen wollen?

Und übri­gens — schon gewusst?:

Wäre der Men­sch von Natur aus faul, wäre er noch heute ein Einzeller. 😉

Wer soll das alles bezahlen?

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment entste­ht meist durch eine ein­fache Über­schlagsrech­nung:

Grun­deinkom­men × Bevölkerung = unbezahlbare Summe.

Dabei wird jedoch überse­hen, dass ein Grun­deinkom­men nicht zusät­zlich zu allen beste­hen­den Sozialleis­tun­gen einge­führt wird, son­dern einen großen Teil davon erset­zt. Viele Berech­nun­gen ver­gle­ichen daher eine Brut­to­summe mit den heuti­gen Net­tokosten des Sozial­staates.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Ein Grun­deinkom­men würde zahlre­iche beste­hende Leis­tun­gen ganz oder teil­weise erset­zen, zum Beispiel:

  • Grund­sicherung und Bürg­ergeld
  • Teile von Renten und Sozial­trans­fers
  • steuer­liche Grund­frei­be­träge

Ein großer Teil der schein­bar gigan­tis­chen Kosten zirkuliert also bere­its heute im Sys­tem. Entschei­dend ist daher nicht die Brut­to­summe, son­dern die Frage: Wie verän­dert sich das beste­hende Steuer- und Trans­fer­sys­tem ins­ge­samt?

Wer sich genauer mit möglichen Finanzierungsmod­ellen beschäfti­gen möchte, find­et hierzu eine aus­führlichere Darstel­lung auf der Seite: Wer soll das Grun­deinkom­men bezahlen?

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Wenn eine Gesellschaft heute bere­its enorme Sum­men für soziale Sicherungssys­teme aus­gibt –
ist dann wirk­lich die Finanzierung das Prob­lem? Oder eher die Art und Weise, wie dieses Geld organ­isiert wird?

Übri­gens – schon gewusst?

Viele große gesellschaftliche Refor­men gal­ten zunächst als „unbezahlbar“.
Zum Beispiel:

  • die geset­zliche Kranken­ver­sicherung
  • die Renten­ver­sicherung
  • der Acht­stun­den­tag

Und trotz­dem wur­den sie einge­führt.

Die Muster hin­ter den Gege­nar­gu­menten

Wenn man den BGE-Ausre­den­gener­a­tor ein paar Mal benutzt, fällt etwas auf. Die Gege­nar­gu­mente wirken sehr unter­schiedlich – aber sie fol­gen oft densel­ben Mustern:

  • Mal geht es um Geld.
  • Mal um Arbeit.
  • Mal um gesellschaftliche Ord­nung.

Und doch taucht im Hin­ter­grund immer wieder dieselbe Frage auf:

Was passiert, wenn Men­schen plöt­zlich mehr Frei­heit bekom­men?

Genau an dieser Stelle begin­nt die eigentliche Diskus­sion. Denn viele Gege­nar­gu­mente sind weniger eine Analyse des Grun­deinkom­mens – als eine Reak­tion auf die Angst vor Verän­derung.

Was hin­ter vie­len Gege­nar­gu­menten steckt

Viele Ein­wände drehen sich weniger um konkrete Zahlen oder Mod­elle, son­dern um etwas anderes:

Ver­lus­tangst.

Die Angst,

  • die Kon­trolle über das eigene Leben zu ver­lieren
  • die gewohnte gesellschaftliche Ord­nung zu ver­lieren
  • den eige­nen Sta­tus oder die eigene Bedeu­tung zu ver­lieren

Denn ein Grun­deinkom­men stellt eine unbe­queme Frage:

Was passiert mit ein­er Gesellschaft, wenn Exis­ten­zangst als Steuerungsin­stru­ment wegfällt?

Die (über­zo­gene) Angst vor Kon­trol­lver­lust

Ein großer Teil der Ablehnung des bedin­gungslosen Grun­deinkom­mens speist sich aus der Vorstel­lung:

Wenn Men­schen nicht mehr zur Arbeit gezwun­gen wer­den kön­nen, macht am Ende jed­er, was er will.

Diese Angst wirkt auf den ersten Blick plau­si­bel. Sie basiert jedoch auf einem sehr speziellen Men­schen­bild:

  • dass Men­schen nur unter Druck funk­tion­ieren
  • dass Frei­heit automa­tisch zu Chaos führt
  • dass gesellschaftliche Ord­nung nur durch Zwang sta­bil bleibt

Ger­ade hier zeigt sich oft eine über­zo­gene Angst vor Kon­trol­lver­lust. Die Vorstel­lung, dass Men­schen ohne äußeren Zwang ver­ant­wor­tungs­los han­deln wür­den, ist tief in vie­len poli­tis­chen und gesellschaftlichen Debat­ten ver­ankert.

Dabei wird häu­fig überse­hen, dass Frei­heit nicht automa­tisch zu Chaos führt. Der Zus­tand von gesellschaftlich­er Unord­nung hat in den Sozial­wis­senschaften sog­ar einen eige­nen Begriff „Anomie“ und wird oft fälschlich mit Anar­chie gle­ichge­set­zt – siehe der „falschen Angst vor der Anar­chie“.

Dieses Men­schen­bild ist ver­bre­it­et – aber empirisch erstaunlich schwach belegt.

Die Angst vor Bedeu­tungsver­lust

Arbeit ist für viele Men­schen nicht nur Einkom­men. Sie ist auch:

  • Sta­tus
  • Anerken­nung
  • Iden­tität

Wenn plöt­zlich jed­er eine exis­ten­zielle Basis hat, stellt sich für manche eine unan­genehme Frage:

Was macht meine Arbeit eigentlich wertvoll – wenn Men­schen nicht mehr aus Angst arbeit­en müssen?

Ein Grun­deinkom­men verän­dert deshalb nicht nur ein Sozial­sys­tem. Es verän­dert auch das Selb­stver­ständ­nis von Leis­tung und Erfolg.

Viele Gege­nar­gu­mente vertei­di­gen daher weniger Zahlen oder Mod­elle.

Sie vertei­di­gen ein Welt­bild. Ein Welt­bild, in dem:

  • Exis­ten­z­druck Moti­va­tion erzeugt
  • Unsicher­heit Leis­tung antreibt
  • Angst als gesellschaftlich­er Motor funk­tion­iert

Ein Grun­deinkom­men stellt genau dieses Prinzip infrage.

Vielle­icht liegt die größte Her­aus­forderung eines Grun­deinkom­mens gar nicht in sein­er Finanzierung. Son­dern in ein­er anderen Frage:

Was wäre, wenn es tat­säch­lich funk­tion­ieren würde?

Denn dann müssten wir uns eingeste­hen, dass wir jahrzehn­te­lang ein Sys­tem vertei­digt haben, in dem Exis­ten­zangst ein nor­maler Bestandteil des Arbeit­slebens war.

Und das ist ein Gedanke, der für viele Men­schen schw­er­er zu akzep­tieren ist als jede finanzielle Rech­nung.

Viele Men­schen glauben, sie hät­ten Angst vor dem Scheit­ern eines Grun­deinkom­mens. Doch bei genauerem Hin­se­hen zeigt sich oft etwas anderes:

Die größere Angst ist nicht, dass es nicht funk­tion­iert.

Die größere Angst ist, dass es funk­tion­ieren kön­nte.

Denn wenn es funk­tion­ieren würde, müssten wir uns eine unbe­queme Frage stellen:

Warum haben wir so lange ein Sys­tem akzep­tiert, in dem Exis­ten­zangst ein nor­maler Bestandteil des Arbeit­slebens ist?

Ein Grun­deinkom­men stellt diese Frage offen.

Nicht als Ide­olo­gie.

Nicht als Ver­sprechen.

Son­dern als Ein­ladung, über unsere Vorstel­lun­gen von Arbeit, Sicher­heit und Frei­heit neu nachzu­denken.

Und genau deshalb löst die Idee bei manchen Men­schen so starke Reak­tio­nen aus.

Nicht weil sie absurd ist.

Son­dern weil sie möglich sein kön­nte.


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    Haupt­säch­lich auf Basis der „über­zo­ge­nen Angst vor Kon­trol­lver­lust“.