Angstfrei zum Grundeinkommen > Vorschlag für einen Stufenplan
Wer soll das Grundeinkommen bezahlen?
Bevor wir über die Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens sprechen, sollten wir uns einige grundlegende Fragen stellen:
Wenn ein Lebewesen Ressourcen weit über den eigenen Bedarf hinaus hortet, während andere verhungern, suchen wir nach Ursachen. Wenn Menschen es tun, nennen wir es Marktlogik.
Vielleicht sollten wir auch hier nach Ursachen fragen – bevor wir Unsicherheit zur Normalität erklären.1Hier die ungehobelt fruchtige Originalversion:
„Wenn ein Affe mehr Bananen hortet, als er jemals essen kann, während andere Affen seiner Gruppe verhungern, würden Wissenschaftler erforschen, was mit dem Tier los ist.
Wenn Menschen so handeln, landen sie nicht im Labor – sondern auf den Titelseiten von Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Capital oder Forbes.“
Quelle: Das Internet
Und noch eine Frage drängt sich auf:
Wenn Existenz kein Privileg ist, sondern Voraussetzung allen Lebens – warum behandeln wir ihre Absicherung wie eine Leistung, die man sich verdienen oder beantragen muss?
Bei der Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens geht es nicht primär um die Frage, wer oder wie „das alles“ bezahlt werden soll, sondern um eine grundlegendere:
Wie setzen wir – auf Basis unserer historisch gewachsenen und verfassungsrechtlich verankerten Ordnung (vgl. Artikel 1 Absatz 12„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ in Verbindung mit Artikel 20 Absatz 1 Grundgesetz3„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“) – das Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum für alle Menschen gleichermaßen um, unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Erwerbsbiografie?
Zahlreiche Menschen haben sich zur Frage der Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens bereits intensiv Gedanken gemacht. Die daraus entstandene Modellvielfalt zeigt: Es mangelt nicht an Konzepten, sondern allenfalls am politischen Willen zu ihrer Erprobung.
Eine systematische Übersicht verschiedener Modelle findet sich beispielsweise in einer entsprechenden Ausarbeitungen auf der Webseite des Netzwerk Grundeinkommen – sowohl in einer früheren Modellübersicht von 2017 als auch in einer aktualisierten Fassung aus dem Jahr 2024.
Die Finanzierung eines Grundeinkommens ist keine technische Sackgasse, sondern eine politische und gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Die nachstehend aufgelisteten Modelle unterscheiden sich im Detail erheblich – doch sie zeigen eines deutlich: Der Spielraum ist größer, als oft behauptet wird.
Diskutiert werden unter anderem – ernsthaft und mitunter auch augenzwinkernd – folgende Ansätze:
Klassische Steuerbasierte Modelle
- Konsumsteuer-Modell
Finanzierung über höhere bzw. umgestaltete Mehrwertsteuer. - Negative Einkommensteuer
Umgestaltung der Einkommensteuer zu einem integrierten Transfer- und Steuersystem. - Flat-Tax-Modell
Einheitlicher Einkommenssteuersatz mit integriertem Grundeinkommen. - Progressive Einkommensteuer-Reform
Stärkere Besteuerung hoher Einkommen, Entlastung unterer. - Wertschöpfungsabgabe
Besteuerung der gesamten Unternehmenswertschöpfung (inkl. Automatisierungsgewinne). - Sozialabgaben-Integration
Zusammenführung bestehender Sozialbeiträge in ein steuerfinanziertes System.
Kapital- & Finanzmarktbezogene Modelle
- Finanztransaktionssteuer (FtSt)
Minimale Abgabe auf jede Finanzmarkttransaktion. - Mikrosteuer auf Zahlungsströme
Sehr geringe Abgabe auf alle unbaren Geldbewegungen. - Kapitalertragsreform
Höhere Besteuerung von Dividenden und Spekulationsgewinnen. - Spekulationsabgabe
Progressive Besteuerung kurzfristiger Kapitalbewegungen. - Derivate- oder Hochfrequenzsteuer
Abgabe auf algorithmische Handelsgeschäfte.
Ressourcen- & Gemeingut-Modelle
- CO₂-Dividendenmodell
Abgabe auf CO₂-Emissionen mit pro-Kopf-Rückverteilung. - Ressourcenabgabe
Besteuerung der Nutzung natürlicher Rohstoffe. - Bodenwertsteuer (Georgismus)
Besteuerung des Bodenwertes statt der Bebauung. - Commons-Dividende
Abgabe auf Nutzung gemeinsamer Güter (Funkfrequenzen, Wasser, Natur). - Primärenergieabgabe
Besteuerung nicht erneuerbarer Energieträger.
Unternehmens- & Digitalmodelle
- Digitalkonzernabgabe
Besteuerung großer Plattform- und Datenkonzerne. - Daten-Dividende
Unternehmen zahlen für Nutzung personenbezogener Daten. - Robotik- oder Automatisierungsabgabe
Produktivitätsgewinne durch Automatisierung finanzieren das BGE. - Übergewinnsteuer
Abgabe auf außergewöhnlich hohe Krisengewinne.
Staats- & Systembezogene Modelle
- Souveräner Bürgerfonds
Staatlicher Beteiligungsfonds finanziert das BGE aus Kapitalerträgen. - Geldschöpfungsdividende
Teil neu geschaffenen Zentralbankgeldes wird direkt an Bürger:innen verteilt. - Subventionsumschichtung
Abbau klimaschädlicher oder ineffizienter Subventionen zugunsten des BGE. - Militärdividende
Teilweise Umschichtung von Verteidigungsausgaben.
Misch- & Kombinationsmodelle
- Steuer-Mix-Modell
Kombination aus Einkommen‑, Konsum‑, Kapital- und Ressourcenabgaben. - Teilweiser Einstieg (Stufenmodell)
Beginn mit Teilbeträgen und schrittweise Erweiterung.4Stufenmodelle können unterschiedlich ausgestaltet sein, etwa:
Einstieg nur für bestimmte Altersgruppen; Einstieg über eine Kindergrundsicherung; Begrenzung auf bestimmte Personen- oder Berufsgruppen; Umsetzung über eine Negativsteuer mit wachsendem Sockel; regionale Pilotphasen; dynamische Kopplung an Steuerreformen; oder ein Einstieg mit sehr niedrigen Anfangsbeträgen, der primär institutionellen Charakter hat. - Sozialdividende
Finanzierung über öffentliche Einnahmen aus Staatsvermögen.
Kreativ-Irritierende Ideen (Denkräume öffnen)
- Spekulations-Minutentakt-Steuer
Jede Finanzmarktbewegung zahlt minimal. - Luxus-Volatilitätsabgabe
Je spekulativer das Produkt, desto höher die Abgabe. - Werbeüberfluss-Abgabe
Besteuerung massiver Werbepräsenz im öffentlichen Raum. - Reichtums-Parkgebühr
Ab bestimmter Vermögenshöhe fällt eine „Haltegebühr“ an. - Angst-Marketing-Abgabe
Unternehmen, die mit systematischer Angst arbeiten, zahlen extra. - KI-Produktivitätsdividende
Abgabe auf KI-generierte Wertschöpfung. - Sicherheitsbeibehaltungsbeitragsabgabe5Wir können eh nichts ändern und außerdem haben wir dass schon immer so geMacht!
Zur Aufrechterhaltung institutionalisierter Veränderungsvermeidung.6Ist natürlich rein satirisch gemeint. 😉
All diese Modelle müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. Sie können sich – wenn der gesellschaftliche und politische Wille vorhanden ist – in einem offenen Wettbewerb der Umsetzbarkeit bewähren.
Hinzu kommt ein Aspekt, der in den BGE-Finanzierungsdebatten häufig übersehen wird:
Viele Menschen erleben ihren aktuellen Arbeitsplatz nicht als Quelle gesellschaftlicher Teilhabe, sondern als psychischen und körperlichen Stressfaktor – mit zunehmender Tendenz. Arbeitsbedingte Belastungen gehören heute zu den zentralen Ursachen für Krankschreibungen, psychische Erkrankungen und chronische Gesundheitsprobleme – mit erheblichen Kosten für Betroffene, Unternehmen und das Gesundheitssystem.7Ein nicht unerheblicher Teil des sogenannten Fachkräftemangels dürfte auch gesundheitlich bedingt sein.
Eine Reduzierung existenzieller Unsicherheit könnte daher nicht nur die individuelle Lebensqualität verbessern, sondern langfristig auch gesundheitliche und volkswirtschaftliche Folgekosten mindern. Dies verdeutlicht, dass das Grundeinkommen nicht nur Ausgaben verursacht, sondern auch positive ökonomische Effekte entfalten kann.
Solche Effekte wirken als systemische Rückkopplungseffekte: Entlastungen im Gesundheits‑, Sozial- und Arbeitsmarktbereich können perspektivisch zur Stabilisierung der Gesamtfinanzierung beitragen.
Wir müssen somit NICHT über Unmöglichkeit diskutieren.
Wir können über Prioritäten sprechen.
Und genau an dieser Stelle beginnt die eigentliche Herausforderung — auf persönlicher wie gesellschaftlicher Ebene:
> > > Die Angst vor Veränderungen > > >
- 1Hier die ungehobelt fruchtige Originalversion:
„Wenn ein Affe mehr Bananen hortet, als er jemals essen kann, während andere Affen seiner Gruppe verhungern, würden Wissenschaftler erforschen, was mit dem Tier los ist.
Wenn Menschen so handeln, landen sie nicht im Labor – sondern auf den Titelseiten von Handelsblatt, Wirtschaftswoche, Capital oder Forbes.“
Quelle: Das Internet - 2„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
- 3„Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“
- 4Stufenmodelle können unterschiedlich ausgestaltet sein, etwa:
Einstieg nur für bestimmte Altersgruppen; Einstieg über eine Kindergrundsicherung; Begrenzung auf bestimmte Personen- oder Berufsgruppen; Umsetzung über eine Negativsteuer mit wachsendem Sockel; regionale Pilotphasen; dynamische Kopplung an Steuerreformen; oder ein Einstieg mit sehr niedrigen Anfangsbeträgen, der primär institutionellen Charakter hat. - 5Wir können eh nichts ändern und außerdem haben wir dass schon immer so geMacht!
- 6Ist natürlich rein satirisch gemeint. 😉
- 7Ein nicht unerheblicher Teil des sogenannten Fachkräftemangels dürfte auch gesundheitlich bedingt sein.