Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

41 Warum soll jemand Geld bekommen, ohne etwas zu leisten?

Warum soll jemand Geld bekommen, ohne etwas zu leisten?

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment set­zt voraus, dass Einkom­men grund­sät­zlich nur dann gerecht­fer­tigt ist, wenn zuvor eine klar mess­bare Leis­tung erbracht wurde. Es knüpft damit an ein Ver­ständ­nis von Gerechtigkeit an, das stark auf dem Prinzip von Leis­tung und Gegen­leis­tung basiert.

Ein bekan­nter Satz bringt dieses Denken auf den Punkt:

Wer nicht arbeit­et, soll auch nicht Essen.

Dabei wird jedoch oft überse­hen, dass unsere Gesellschaft bere­its heute viele Leis­tun­gen ermöglicht oder absichert, ohne dass ihnen eine direk­te Gegen­leis­tung gegenüber­ste­ht.

Zum Beispiel:

  • in der Kind­heit
  • im Bil­dungssys­tem
  • bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit
  • oder in famil­iären Unter­stützungsstruk­turen

Zudem bleibt häu­fig unklar, was über­haupt als „Leis­tung“ gilt – und wer darüber entschei­det.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Ein bedin­gungslos­es Grun­deinkom­men würde nicht einzelne Men­schen bevorzu­gen, son­dern für alle gle­icher­maßen gel­ten. Es stellt damit keine Beloh­nung für Nicht-Leis­tung dar – son­dern eine gemein­same Grund­lage, auf der Men­schen über­haupt erst tätig wer­den kön­nen.

Viele gesellschaftlich notwendi­ge Tätigkeit­en entste­hen nicht aus finanziellen Anreizen, son­dern aus:

  • Ver­ant­wor­tung
  • Beziehung
  • Inter­esse
  • oder dem Wun­sch, etwas Sin­nvolles beizu­tra­gen

Ein Grun­deinkom­men würde diese For­men von Leis­tung nicht erset­zen – son­dern ihnen mehr Raum geben.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Ist ein Men­sch nur dann etwas wert, wenn er wirtschaftlich ver­w­ert­bare Leis­tung erbringtoder hat er einen Wert unab­hängig davon?

Übri­gens – schon gewusst?:

Ein großer Teil unseres Lebens begin­nt genau so:

Wir erhal­ten Unter­stützung, bevor wir über­haupt etwas leis­ten kön­nen.

Vielle­icht ist nicht die Vorstel­lung eines Grun­deinkom­mens ungewöhn­lich – son­dern die Annahme, dass ein Men­sch sich seine Exis­tenz erst ver­di­enen muss.

Jed­er Men­sch hat ein bedin­gungslos­es Recht auf Exis­tenz – weil er ist, nicht weil er fleißig, angepasst oder unter­wür­fig ist.