Das funktioniert doch nur im Rechenmodell!
Was an diesem Gegenargument problematisch ist:
Dieses Argument unterstellt, dass ein Grundeinkommen nur als theoretisches Modell existiert und in der Realität nicht funktionieren könne.
Dabei wird jedoch übersehen, dass nahezu jede größere gesellschaftliche Reform zunächst als theoretisches Konzept entwickelt wird. Bevor neue Systeme eingeführt werden, werden sie zwangsläufig zunächst berechnet, diskutiert und modelliert.
Das gilt nicht nur für das Grundeinkommen, sondern auch für viele Errungenschaften und Institutionen, die uns heute selbstverständlich erscheinen. Auch sie begannen einmal als Ideen, Modelle und politische Experimente.
Was gegen dieses Gegenargument spricht:
Viele zentrale Bestandteile unseres heutigen Sozialstaates waren ursprünglich ebenfalls Rechenmodelle oder politische Experimente.
Zum Beispiel:
- die gesetzliche Rentenversicherung
- die Krankenversicherung
- der Achtstundentag
- oder der Mindestlohn
Bevor solche Systeme eingeführt wurden, gab es ebenfalls zahlreiche Prognosen, Berechnungen und Modelle. Erst danach wurden sie Schritt für Schritt in der Realität umgesetzt und weiterentwickelt.
Ein Grundeinkommen wäre daher kein fertiges System, das plötzlich eingeführt wird – sondern ein Modell, das sich im praktischen Prozess weiterentwickelt – zum Beispiel entlang eines strukturierten Stufenplans wie bei „Angstfrei zum Grundeinkommen“.
Hieraus ergibt sich eine entscheidende Frage:
Wenn neue gesellschaftliche Modelle grundsätzlich nicht umgesetzt werden könnten – wie sind dann die heutigen Sozial- und Wirtschaftssysteme überhaupt entstanden?
Übrigens – schon gewusst?
Viele Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, galten früher als unrealistische Theorie.
Zum Beispiel:
- die Demokratie
- das Frauenwahlrecht
- oder der Sozialstaat.
Bevor sie Realität wurden, existierten sie lange Zeit nur als Ideen und Modelle. Gesellschaftlicher Fortschritt beginnt daher fast immer zuerst im Denken – und erst danach in der Praxis.
Wenn neue Ideen rechtzeitig diskutiert und weiterentwickelt werden, müssen gesellschaftliche Veränderungen nicht erst durch Aufstände, Revolutionen oder Kriege erzwungen werden – Ereignisse, die oft Generationen von Menschen körperlich und seelisch traumatisieren.1Aufstände, Revolutionen und Kriege gehören ins Museum für Geschichte.
Die “Revolutionen der Neuzeit” sollten eher gesellschaftliche Lern- und Gruppenprozesse sein – auch im Sinne von Gruppentherapien – statt Ereignisse, die wieder neue Generationen traumatisieren.
Gesellschaftlicher Fortschritt muss nicht mehr durch Gewalt erzwungen werden — er kann auch durch gesellschaftsübergreifende Selbstreflexion entstehen.2Grundeinkommen durch Therapie
Therapie durch Grundeinkommen
- 1Aufstände, Revolutionen und Kriege gehören ins Museum für Geschichte.
Die “Revolutionen der Neuzeit” sollten eher gesellschaftliche Lern- und Gruppenprozesse sein – auch im Sinne von Gruppentherapien – statt Ereignisse, die wieder neue Generationen traumatisieren. - 2Grundeinkommen durch Therapie
Therapie durch Grundeinkommen
