Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

05 Dann kommen doch alle nach Deutschland!

Dann kommen doch alle nach Deutschland!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment geht davon aus, dass Men­schen auss­chließlich wegen finanzieller Leis­tun­gen in ein anderes Land ziehen wür­den. Es reduziert Migra­tion damit auf einen einzi­gen Fak­tor: Geld.

In der Real­ität sind Migra­tionsentschei­dun­gen jedoch wesentlich kom­plex­er. Men­schen ver­lassen ihre Heimat meist aus ein­er Kom­bi­na­tion von Grün­den – zum Beispiel wegen Krieg, poli­tis­ch­er Ver­fol­gung, wirtschaftlich­er Per­spek­tivlosigkeit, famil­iär­er Bindun­gen oder Bil­dungs- und Arbeitsmöglichkeit­en.

Ein einzelnes Sozialmod­ell wie ein Grun­deinkom­men kann solche kom­plex­en Entschei­dun­gen daher kaum erk­lären.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Erfahrun­gen aus ver­schiede­nen Län­dern zeigen, dass Sozialleis­tun­gen nur sel­ten der entschei­dende Grund für Migra­tion sind.

Viel wichtiger sind zum Beispiel:

  • Arbeitsmöglichkeit­en
  • poli­tis­che Sta­bil­ität
  • per­sön­liche Sicher­heit
  • Bil­dungschan­cen
  • beste­hende soziale Net­zw­erke

Zudem würde ein Grun­deinkom­men selb­stver­ständlich an klare Voraus­set­zun­gen gebun­den sein – etwa an Staats­bürg­er­schaft, Aufen­thaltssta­tus oder eine bes­timmte Aufen­thalts­dauer. Maßge­blich wäre dabei ein sozial­rechtlich­er Inlands­bezug, also eine reale und nach­weis­bare Ein­bindung in das gesellschaftliche und rechtliche Leben des Lan­des.

Die Vorstel­lung, dass plöt­zlich „die ganze Welt“ wegen eines Grun­deinkom­mens ein­wan­dert, entspricht daher eher ein­er Befürch­tung als ein­er real­is­tis­chen Entwick­lung.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Wenn Sozialleis­tun­gen tat­säch­lich der entschei­dende Grund für Migra­tion wären – warum spielt bei der Entschei­dung zu migri­eren meist etwas ganz anderes die Haup­trol­le: Sicher­heit, Arbeit, Fam­i­lie und Zukun­ftsper­spek­tiv­en?

Übri­gens – schon gewusst?:

Die meis­ten Men­schen weltweit ver­lassen ihre Heimat über­haupt nicht.

Selb­st unter schwieri­gen wirtschaftlichen Bedin­gun­gen bleiben die meis­ten Men­schen dort, wo ihre Fam­i­lie, ihre Sprache und ihre sozialen Beziehun­gen sind.

Migra­tion ist also meist keine ein­fache Kosten-Nutzen-Rech­nung – son­dern eine der schwierig­sten Entschei­dun­gen im Leben eines Men­schen.

Mit einem glob­alen bedin­gungslosen Grun­deinkom­men wür­den Men­schen nicht aus Not, son­dern als neugierige Touris­ten in andere Län­der gehen.