Das zerstört doch das Leistungsprinzip!
Was an diesem Gegenargument problematisch ist:
Dieses Argument geht davon aus, dass Menschen nur dann Leistung erbringen, wenn ihre Existenz davon abhängt. Es unterstellt also ein Leistungsverständnis, das vor allem auf wirtschaftlichem Druck basiert.
Dabei wird übersehen, dass Leistung in einer Gesellschaft weit mehr umfasst als bezahlte Erwerbsarbeit. Auch Kinderentwicklungsbegleitung, Pflege von Angehörigen, ehrenamtliches Engagement, Weiterbildung oder kreative Tätigkeiten sind Leistungen – obwohl sie oft nicht oder nur sehr gering bezahlt werden.
Unser heutiges System bewertet Leistung oft nicht nach ihrem gesellschaftlichen Nutzen, sondern nach ihrem Marktpreis.1In unserer heutigen Gesellschaft hat die Betreuungsarbeit einer Mutter kaum einen finanziellen Wert – außer sie betreut fremde Kinder gegen Entgelt.
Im Jobcenter gelten Kinder eines alleinerziehenden Elternteils übrigens häufig als sogenanntes „Vermittlungshemmnis“.
Was gegen dieses Gegenargument spricht:
Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde Leistung nicht abschaffen, sondern ihre Grundlage verändern.
Menschen könnten stärker selbst entscheiden,
- welche Tätigkeit sie ausüben,
- unter welchen Bedingungen sie arbeiten,
- und welchen Beitrag sie zur Gesellschaft leisten möchten.2Dies setzt ein gewisses Urvertrauen in den Menschen voraus – ein Vertrauen, das vielen Gesellschaften im Laufe der Generationen verloren gegangen ist.
Viele Tätigkeiten, die gesellschaftlich wichtig sind, würden dadurch überhaupt erst möglich oder sichtbar werden – zum Beispiel in der Pflege, in der Bildung, im Ehrenamt oder in kreativen und sozialen Bereichen.
Leistung verschwindet also nicht. Sie wird lediglich freier und vielfältiger.
Hieraus ergibt sich eine entscheidende Frage:
Wenn Leistung nur unter Existenzdruck entsteht – ist das dann wirklich ein Leistungsprinzip? Oder eher ein Zwangsprinzip?
Übrigens – schon gewusst?
In vielen Bereichen unserer Gesellschaft werden enorme Leistungen erbracht, ohne dass dafür Geld bezahlt wird.
Zum Beispiel in
- der Kinderentwicklungsbegleitung
- der Pflege von Angehörigen
- dem Ehrenamt
- oder der Nachbarschaftshilfe
Ohne diese unbezahlte Arbeit würde unsere Gesellschaft kaum funktionieren.
Das Leistungsprinzip existiert also längst – nur oft außerhalb des Arbeitsmarktes.
Ausgenommen vom Leistungsprinzip sind „selbstverständlich“ all jene, die ihr Geld zur Arbeit schicken können.
- 1In unserer heutigen Gesellschaft hat die Betreuungsarbeit einer Mutter kaum einen finanziellen Wert – außer sie betreut fremde Kinder gegen Entgelt.
Im Jobcenter gelten Kinder eines alleinerziehenden Elternteils übrigens häufig als sogenanntes „Vermittlungshemmnis“. - 2Dies setzt ein gewisses Urvertrauen in den Menschen voraus – ein Vertrauen, das vielen Gesellschaften im Laufe der Generationen verloren gegangen ist.
