Dann kommen doch alle nach Deutschland!
Was an diesem Gegenargument problematisch ist:
Dieses Argument geht davon aus, dass Menschen ausschließlich wegen finanzieller Leistungen in ein anderes Land ziehen würden. Es reduziert Migration damit auf einen einzigen Faktor: Geld.
In der Realität sind Migrationsentscheidungen jedoch wesentlich komplexer. Menschen verlassen ihre Heimat meist aus einer Kombination von Gründen – zum Beispiel wegen Krieg, politischer Verfolgung, wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit, familiärer Bindungen oder Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten.
Ein einzelnes Sozialmodell wie ein Grundeinkommen kann solche komplexen Entscheidungen daher kaum erklären.
Wer tatsächlich primär wegen Geld migriert, zieht meist dorthin, wo weniger Steuern gezahlt werden müssen – nicht dorthin, wo es Sozialleistungen gibt.
Was gegen dieses Gegenargument spricht:
Erfahrungen aus verschiedenen Ländern zeigen, dass Sozialleistungen nur selten der entscheidende Grund für Migration sind.
Viel wichtiger sind zum Beispiel:
- Arbeitsmöglichkeiten
- politische Stabilität
- persönliche Sicherheit
- Bildungschancen
- bestehende soziale Netzwerke
Zudem würde ein Grundeinkommen selbstverständlich an klare Voraussetzungen gebunden sein – etwa an Staatsbürgerschaft, Aufenthaltsstatus oder eine bestimmte Aufenthaltsdauer. Maßgeblich wäre dabei ein sozialrechtlicher Inlandsbezug, also eine reale und nachweisbare Einbindung in das gesellschaftliche und rechtliche Leben des Landes.
Die Vorstellung, dass plötzlich „die ganze Welt“ wegen eines Grundeinkommens einwandert, entspricht daher eher einer Befürchtung als einer realistischen Entwicklung.
Hieraus ergibt sich eine entscheidende Frage:
Wenn Sozialleistungen tatsächlich der entscheidende Grund für Migration wären – warum spielt bei der Entscheidung zu migrieren meist etwas ganz anderes die Hauptrolle: Sicherheit, Arbeit, Familie und Zukunftsperspektiven?
Übrigens – schon gewusst?:
Die meisten Menschen weltweit verlassen ihre Heimat überhaupt nicht.
Selbst unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen bleiben die meisten Menschen dort, wo ihre Familie, ihre Sprache und ihre sozialen Beziehungen sind.
Migration ist also meist keine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung – sondern eine der schwierigsten Entscheidungen im Leben eines Menschen.
Mit einem globalen bedingungslosen Grundeinkommen würden Menschen nicht aus Not, sondern als neugierige Touristen in andere Länder gehen.
