Viele Menschen wissen doch gar nichts mit ihrer Zeit anzufangen!
Was an diesem Gegenargument problematisch ist:
Dieses Argument unterstellt, dass ein erheblicher Teil der Menschen ohne äußere Struktur oder Verpflichtung nicht in der Lage ist, ihr Leben sinnvoll zu gestalten. Es basiert auf der Annahme, dass Zeit ohne vorgegebene Nutzung automatisch zu Leere, Orientierungslosigkeit oder Untätigkeit führt. Damit wird ein Menschenbild transportiert, in dem Selbstbestimmung nicht als Chance, sondern als Risiko erscheint.
Was gegen dieses Gegenargument spricht:
Schon heute zeigt sich, dass Menschen sehr wohl in der Lage sind, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen – wenn sie die Möglichkeit dazu haben:
- Menschen entwickeln Hobbys, Interessen und Leidenschaften
- sie kümmern sich um Familie, Freunde oder ihr Umfeld
- sie engagieren sich sozial, kreativ oder persönlich weiter
Gleichzeitig ist es nicht ungewöhnlich, dass Menschen zunächst Zeit brauchen, um sich neu zu orientieren – besonders dann, wenn sie zuvor stark fremdbestimmt gelebt haben. Diese Phase ist jedoch kein Scheitern, sondern oft ein notwendiger Übergang.
Hieraus ergibt sich eine entscheidende Frage:
Ist es wirklich ein Problem, wenn Menschen Zeit brauchen, um herauszufinden, was sie mit ihrem Leben anfangen möchten – oder ist genau das ein Zeichen von Freiheit?
Übrigens – schon gewusst?:
Struktur im Leben entsteht nicht nur durch Arbeit – sondern auch durch:
- Beziehungen
- Interessen
- persönliche Ziele
- und sinnstiftende Tätigkeiten
Viele Menschen verlieren ihre Orientierung nicht durch zu viel Freiheit – sondern durch zu wenig Raum, sich selbst überhaupt kennenzulernen.
Oder anders gesagt:
Wer nie Zeit hatte, herauszufinden, was er wirklich will, kann schwer wissen, was er mit ihr anfangen soll.
Wer sein Leben lang fremdbestimmt war, braucht manchmal einen Moment, um sich selbst überhaupt zu begegnen.1Und um zu erkennen, dass er dafür keine Erlaubnis braucht.
- 1Und um zu erkennen, dass er dafür keine Erlaubnis braucht.
