Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

36 Dann richten sich doch alle nur noch nach dem Grundeinkommen aus!

Dann richten sich doch alle nur noch nach dem Grundeinkommen aus!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment unter­stellt, dass Men­schen ihr gesamtes Ver­hal­ten primär an finanziellen Min­i­malbe­din­gun­gen aus­richt­en. Es geht davon aus, dass das Grun­deinkom­men zum zen­tralen Bezugspunkt im Leben wird – und andere Fak­toren wie Sinn, Inter­essen, soziale Bindun­gen oder per­sön­liche Ziele in den Hin­ter­grund treten.

Damit wird ein Men­schen­bild voraus­ge­set­zt, in dem Men­schen vor allem darauf bedacht sind, mit möglichst wenig Aufwand über die Run­den zu kom­men.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Schon heute zeigt sich, dass Men­schen ihr Leben nicht auss­chließlich nach finanziellen Min­dest­stan­dards aus­richt­en:

  • Viele arbeit­en über das Exis­tenzmin­i­mum hin­aus, obwohl sie es nicht müssten
  • Men­schen engagieren sich frei­willig in Bere­ichen ohne Bezahlung
  • Kreative, soziale oder per­sön­liche Ziele spie­len oft eine entschei­dende Rolle

Ein Grun­deinkom­men würde zwar eine sichere Basis schaf­fen – aber nicht die Vielfalt men­schlich­er Motive erset­zen.

Im Gegen­teil:

Es kön­nte dazu führen, dass Men­schen sich weniger an Exis­ten­zsicherung und mehr an Inter­essen, Fähigkeit­en und Sinn ori­en­tieren.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Warum sollte ein sicheres Grun­deinkom­men dazu führen, dass Men­schen ihr Leben auss­chließlich daran aus­richt­en – während sie es heute trotz finanzieller Zwänge nicht tun?

Übri­gens – schon gewusst?:

Viele Men­schen richt­en ihr Leben bere­its heute stark nach finanziellen Zwän­gen aus:

  • Job­wahl aus Exis­ten­z­druck
  • Wohnort­wahl aus Kosten­grün­den
  • Lebensentschei­dun­gen aus Angst vor Unsicher­heit

Ein Grun­deinkom­men würde diese Abhängigkeit nicht ver­stärken – son­dern in vie­len Fällen erst­mals reduzieren.

Oder anders gesagt:

Viele Men­schen richt­en ihr Leben heute bere­its stark nach Geld aus – allerd­ings nicht aus Frei­heit, son­dern aus Notwendigkeit.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob Men­schen sich am Grun­deinkom­men ori­en­tieren wür­den – son­dern woran sie sich ohne Exis­ten­z­druck endlich ori­en­tieren kön­nten.