Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

35 Ganz ohne Bedingungen kann das doch gar nicht funktionieren!

Ganz ohne Bedingungen kann das doch gar nicht funktionieren!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment set­zt voraus, dass gesellschaftliche Sys­teme grund­sät­zlich nur dann funk­tion­ieren kön­nen, wenn sie an Bedin­gun­gen, Kon­trollen und Gegen­leis­tun­gen geknüpft sind. Es beruht auf der Vorstel­lung, dass Men­schen ohne äußere Vor­gaben nicht ver­ant­wor­tungsvoll han­deln wür­den – und dass Ver­lässlichkeit nur durch Regeln und Sank­tio­nen entste­ht.

Dabei wird jedoch überse­hen, dass „Bedin­gungslosigkeit“ nicht bedeutet, dass es keine Regeln im Zusam­men­leben gibt – son­dern lediglich, dass die Exis­ten­zsicherung nicht an Bedin­gun­gen geknüpft ist.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Auch heute existieren zahlre­iche Bere­iche, die weit­ge­hend bedin­gungs­los funk­tion­ieren:

  • Grun­drechte gel­ten für alle Men­schen – ohne Gegen­leis­tung
  • Kinder erhal­ten Für­sorge und Unter­stützung, ohne etwas „leis­ten“ zu müssen
  • Hil­fe in Fam­i­lien, Fre­und­schaften oder Nach­barschaften erfol­gt meist ohne Bedin­gun­gen

Diese Beispiele zeigen:

Gesellschaft funk­tion­iert nicht nur durch Kon­trolle – son­dern auch durch Ver­trauen, Zuge­hörigkeit und gegen­seit­ige Ver­ant­wor­tung. Ein Grun­deinkom­men würde dieses Prinzip auf die Exis­ten­zsicherung ausweit­en – nicht auf das gesamte gesellschaftliche Leben.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Warum sollte aus­gerech­net die Exis­tenz eines Men­schen an Bedin­gun­gen geknüpft sein –
wenn viele andere grundle­gende Bere­iche unseres Zusam­men­lebens bere­its ohne solche Bedin­gun­gen funk­tion­ieren?

Übri­gens – schon gewusst?:

Ein großer Teil der heuti­gen Bürokratie entste­ht ger­ade dadurch, dass Leis­tun­gen an Bedin­gun­gen geknüpft sind:

  • Anträge müssen geprüft wer­den
  • Nach­weise müssen erbracht wer­den
  • Anspruchsvo­raus­set­zun­gen müssen kon­trol­liert wer­den

Diese Prozesse sind oft:

  • aufwendig
  • teuer
  • und fehler­an­fäl­lig

Ein ein­fach­es, bedin­gungslos­es Sys­tem kön­nte viele dieser Struk­turen deut­lich vere­in­fachen.

Oder anders gesagt:

Manch­mal ist ein Sys­tem nicht deshalb sta­bil, weil es viele Bedin­gun­gen hat – son­dern obwohl es sie hat.