Warum soll jemand genauso viel bekommen wie ich, obwohl ich mehr leiste?
Was an diesem Gegenargument problematisch ist:
Dieses Argument setzt voraus, dass sich die Leistung von Menschen eindeutig messen und miteinander vergleichen lässt. Es unterstellt, dass sich der Wert eines Beitrags objektiv bestimmen lässt – und dass daraus eine klare Rangordnung entsteht, die sich direkt in Einkommen übersetzen sollte.
Dabei wird jedoch übersehen, dass viele Leistungen gar nicht vergleichbar sind:
- Wie misst man Fürsorge, Kreativität oder soziale Verantwortung?
- Ist körperlich harte Arbeit „mehr“ wert als emotionale Belastung?
- Und wer entscheidet überhaupt, was als „mehr“ gilt?
Zudem wird stillschweigend angenommen, dass Menschen mit höherem Einkommen automatisch mehr leisten – obwohl Einkommen oft auch von Marktmechanismen, Verhandlungsmacht oder Zufällen abhängt.
Was gegen dieses Gegenargument spricht:
Ein bedingungsloses Grundeinkommen bedeutet nicht, dass alle Menschen „gleich viel“ bekommen. Es bedeutet, dass alle Menschen eine gleiche Grundlage erhalten – unabhängig davon, was sie darüber hinaus leisten oder verdienen.
Unterschiede bleiben weiterhin bestehen:
- durch Erwerbseinkommen
- durch Selbstständigkeit
- durch unternehmerische Tätigkeit
Das Grundeinkommen ersetzt also nicht das Leistungsprinzip – es ergänzt es um eine gemeinsame Basis.
Die entscheidende Verschiebung liegt darin:
Nicht die Existenz hängt von Leistung ab – sondern nur das Darüber hinaus.
Hieraus ergibt sich eine entscheidende Frage:
Sollte die Existenz eines Menschen wirklich davon abhängen, wie seine Leistung im Vergleich zu anderen bewertet wird?
Übrigens – schon gewusst?:
Schon heute erhalten Menschen in unserer Gesellschaft Einkommen oder finanzielle Vorteile, ohne dass sie dafür eine aktuelle, messbare Leistung erbringen müssen.
Zum Beispiel:
- durch Erbschaften
- durch Kapitalerträge
- oder durch bestehende Vermögenswerte
Die Vorstellung, dass Einkommen ausschließlich an persönliche Leistung gebunden ist, entspricht daher bereits heute nicht der Realität.
Oder anders gesagt:
Gleichheit empört uns oft nur dann – wenn sie auch für andere gilt.
