Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

18 Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet – und jetzt soll alles verschenkt werden!

Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet – und jetzt soll alles verschenkt werden!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment beruht auf einem per­sön­lichen Gerechtigkeit­sempfind­en, das stark von den eige­nen Lebens- und Arbeit­ser­fahrun­gen geprägt ist.

Es enthält oft die Vorstel­lung:

„Ich musste mir alles hart erar­beit­en – also soll­ten andere das auch müssen.“

Dabei wird jedoch überse­hen, dass sich gesellschaftliche Rah­menbe­din­gun­gen im Laufe der Zeit verän­dern. Viele Verbesserun­gen, die heute selb­stver­ständlich sind, gab es früher nicht – und den­noch wer­den sie heute nicht infrage gestellt.

Das Argu­ment richtet sich daher weniger gegen das Grun­deinkom­men selb­st, son­dern gegen die Vorstel­lung, dass es für nach­fol­gende Gen­er­a­tio­nen leichter wer­den kön­nte.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Gesellschaftlich­er Fortschritt bedeutet nicht, dass alle Gen­er­a­tio­nen die gle­ichen Schwierigkeit­en durch­laufen müssen – son­dern dass sich Lebens­be­din­gun­gen ins­ge­samt verbessern.

Zum Beispiel:

  • bessere medi­zinis­che Ver­sorgung
  • län­gere Bil­dungswege
  • mehr soziale Absicherung
  • höhere Lebens­stan­dards

Diese Entwick­lun­gen wer­den in der Regel nicht als „unfair“ emp­fun­den, son­dern als notwendi­ger Fortschritt.

Ein Grun­deinkom­men würde genau in diese Rich­tung wirken: Es würde nicht die Leis­tung früher­er Gen­er­a­tio­nen entwerten, son­dern auf ihnen auf­bauen.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Geht es bei Gerechtigkeit darum, dass alle die gle­ichen Schwierigkeit­en erleben – oder darum, dass es den näch­sten Gen­er­a­tio­nen bess­er geht?

Übri­gens – schon gewusst?

Viele Errun­gen­schaften, die heute selb­stver­ständlich sind, wur­den früher eben­falls als „unver­di­ent“ oder „zu großzügig“ kri­tisiert.

Zum Beispiel:

  • die geset­zliche Rente
  • der Acht­stun­den­tag
  • der bezahlte Urlaub

Heute würde kaum jemand ern­sthaft fordern, diese Fortschritte wieder rück­gängig zu machen. Fortschritt bedeutet nicht, dass es allen gle­ich schw­er bleibt – son­dern dass es irgend­wann nicht mehr so schw­er sein muss.