Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

32 Dann finden Unternehmen keine Arbeitskräfte mehr!

Dann finden Unternehmen keine Arbeitskräfte mehr!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment geht davon aus, dass Unternehmen nur deshalb aus­re­ichend Arbeit­skräfte find­en, weil Men­schen aus wirtschaftlich­er Not gezwun­gen sind, nahezu jede Arbeit anzunehmen. Es set­zt damit stillschweigend voraus, dass ein funk­tion­ieren­der Arbeits­markt vor allem auf Druck basiert – und nicht auf fairen Bedin­gun­gen, angemessen­er Bezahlung oder sin­nvoller Tätigkeit.

Zugle­ich blendet es aus, dass bere­its heute in vie­len Bere­ichen Arbeit­skräfte fehlen – trotz beste­hen­dem wirtschaftlichem Druck. Der soge­nan­nte Fachkräfte­man­gel zeigt, dass Zwang allein offen­sichtlich kein ver­lässlich­es Steuerungsin­stru­ment ist.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Ein Grun­deinkom­men würde nicht dazu führen, dass keine Men­schen mehr arbeit­en – son­dern dazu, dass sie bewusster entschei­den, welche Arbeit sie annehmen.

Das hätte konkrete Auswirkun­gen:

  • Unattrak­tive Jobs müssten bess­er bezahlt oder verbessert wer­den
  • Arbeits­be­din­gun­gen wür­den stärk­er in den Fokus rück­en
  • Unternehmen müssten sich mehr um Mitar­bei­t­ende bemühen – statt umgekehrt

Genau diese Dynamik ist aus anderen Bere­ichen bere­its bekan­nt: Wenn etwas knapp wird, steigt sein Wert.

Ein Arbeits­markt, der nur durch Druck funk­tion­iert, gerät durch ein Grun­deinkom­men unter Verän­derungs­druck – aber nicht zwangsläu­fig in einen Zusam­men­bruch.

Zudem zeigt sich schon heute:

Viele Unternehmen find­en nicht deshalb keine Arbeit­skräfte, weil nie­mand arbeit­en will – son­dern weil Arbeits­be­din­gun­gen, Bezahlung oder Sinnhaftigkeit nicht mehr überzeu­gen.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Wenn Unternehmen nur dann genü­gend Arbeit­skräfte find­en, wenn Men­schen aus Exis­ten­zangst arbeit­en müssen – ist das dann ein funk­tion­ieren­der Arbeits­markt? Oder ein Sys­tem, das auf Zwang angewiesen ist?

Übri­gens – schon gewusst?:

Der Begriff „Fachkräfte­man­gel“ beschreibt oft weniger einen Man­gel an Men­schen – son­dern einen Man­gel an attrak­tiv­en Arbeits­be­din­gun­gen. In vie­len Branchen gibt es genü­gend qual­i­fizierte Men­schen – sie entschei­den sich nur zunehmend dage­gen, unter schlecht­en Bedin­gun­gen zu arbeit­en.

Oder anders gesagt: Vielle­icht fehlen nicht die Arbeit­skräfte – son­dern die Bere­itschaft, Arbeit unter jedem Preis zu akzep­tieren.

Viele Fachkräfte sitzen heute bere­its seel­isch und kör­per­lich aus­ge­mergelt in den Wartez­im­mern viel­er Arzt­prax­en und Kranken­häuser – Ten­denz steigend.

Ein Sys­tem, das so funk­tion­iert, hat kein Fachkräfteprob­lem – son­dern ein Struk­tur­prob­lem.