Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

14 Das ist doch unfair!

Das ist doch unfair!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment beruht auf dem Gefühl, dass Men­schen etwas erhal­ten, ohne eine entsprechende Gegen­leis­tung zu erbrin­gen. Es set­zt dabei stillschweigend voraus, dass Gerechtigkeit vor allem durch Leis­tung und Gegen­leis­tung entste­ht – bis hin zu der Vorstel­lung, dass selb­st Grun­drechte ver­di­ent wer­den müssen.

Dabei wird jedoch oft überse­hen, dass unsere Gesellschaft bere­its heute viele Leis­tun­gen erbringt, ohne dass ihnen eine direk­te Gegen­leis­tung gegenüber­ste­ht – etwa bei Kindern, Kranken, Pflegebedürfti­gen oder im Bil­dungssys­tem.

Gle­ichzeit­ig wer­den viele gesellschaftlich wichtige Tätigkeit­en gar nicht oder nur sehr ger­ing bezahlt.

Was als „fair“ emp­fun­den wird, hängt daher stark davon ab, welch­es Ver­ständ­nis von Gerechtigkeit zugrunde gelegt wird.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Ein bedin­gungslos­es Grun­deinkom­men würde nicht einzelne Men­schen bevorzu­gen, son­dern für alle gle­icher­maßen gel­ten. Es schafft damit eine gemein­same Grund­lage, auf der jed­er Men­sch seine Lebenssi­t­u­a­tion gestal­ten kann.

Zudem stellt sich die Frage, ob das heutige Sys­tem tat­säch­lich „gerecht“ ist:

  • Men­schen arbeit­en Vol­lzeit und kön­nen trotz­dem kaum davon leben
  • Care-Arbeit bleibt oft unsicht­bar
  • Ver­mö­gen und Chan­cen sind ungle­ich verteilt

Ein Grun­deinkom­men würde diese Unter­schiede nicht voll­ständig aufheben – aber es würde die Aus­gangs­be­din­gun­gen für alle verbessern. Damit entstünde eine wichtige Voraus­set­zung dafür, dass die oft zitierte Schere zwis­chen Arm und Reich nicht weit­er auseinan­derge­ht – oder sich langfristig sog­ar wieder schließt.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Was empfind­en wir eigentlich als gerecht? Ein Sys­tem, das Men­schen zur Arbeit zwingt, oder eines, das ihnen die Frei­heit gibt, sich einzubrin­gen?

Übri­gens – schon gewusst?

Unser Gefühl von Gerechtigkeit ist nicht objek­tiv – es wird stark durch per­sön­liche Erfahrun­gen geprägt. Was für den einen unfair erscheint, kann für den anderen längst über­fäl­lig sein.

Gesellschaftliche Verän­derun­gen wirken deshalb oft zunächst „ungerecht“ – bis sie zur neuen Nor­mal­ität wer­den.

Vielle­icht ist nicht das Grun­deinkom­men unfair – son­dern die Vorstel­lung, dass man sich das Grun­drecht auf Exis­tenz erst ver­di­enen muss.