Das ist doch unfair!
Was an diesem Gegenargument problematisch ist:
Dieses Argument beruht auf dem Gefühl, dass Menschen etwas erhalten, ohne eine entsprechende Gegenleistung zu erbringen. Es setzt dabei stillschweigend voraus, dass Gerechtigkeit vor allem durch Leistung und Gegenleistung entsteht – bis hin zu der Vorstellung, dass selbst Grundrechte verdient werden müssen.
Dabei wird jedoch oft übersehen, dass unsere Gesellschaft bereits heute viele Leistungen erbringt, ohne dass ihnen eine direkte Gegenleistung gegenübersteht – etwa bei Kindern, Kranken, Pflegebedürftigen oder im Bildungssystem.
Gleichzeitig werden viele gesellschaftlich wichtige Tätigkeiten gar nicht oder nur sehr gering bezahlt.
Was als „fair“ empfunden wird, hängt daher stark davon ab, welches Verständnis von Gerechtigkeit zugrunde gelegt wird.
Was gegen dieses Gegenargument spricht:
Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde nicht einzelne Menschen bevorzugen, sondern für alle gleichermaßen gelten. Es schafft damit eine gemeinsame Grundlage, auf der jeder Mensch seine Lebenssituation gestalten kann.
Zudem stellt sich die Frage, ob das heutige System tatsächlich „gerecht“ ist:
- Menschen arbeiten Vollzeit und können trotzdem kaum davon leben
- Care-Arbeit bleibt oft unsichtbar
- Vermögen und Chancen sind ungleich verteilt
Ein Grundeinkommen würde diese Unterschiede nicht vollständig aufheben – aber es würde die Ausgangsbedingungen für alle verbessern. Damit entstünde eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die oft zitierte Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinandergeht – oder sich langfristig sogar wieder schließt.
Hieraus ergibt sich eine entscheidende Frage:
Was empfinden wir eigentlich als gerecht? Ein System, das Menschen zur Arbeit zwingt, oder eines, das ihnen die Freiheit gibt, sich einzubringen?
Übrigens – schon gewusst?
Unser Gefühl von Gerechtigkeit ist nicht objektiv – es wird stark durch persönliche Erfahrungen geprägt. Was für den einen unfair erscheint, kann für den anderen längst überfällig sein.
Gesellschaftliche Veränderungen wirken deshalb oft zunächst „ungerecht“ – bis sie zur neuen Normalität werden.
Vielleicht ist nicht das Grundeinkommen unfair – sondern die Vorstellung, dass man sich das Grundrecht auf Existenz erst verdienen muss.
