Dann steigen doch sofort die Mieten!
Was an diesem Gegenargument problematisch ist:
Dieses Argument geht davon aus, dass Vermieter die Mieten automatisch erhöhen würden, sobald Menschen mehr Geld zur Verfügung haben.
Dabei wird jedoch übersehen, dass Mietpreise nicht einfach willkürlich festgelegt werden können. Sie entstehen im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, gesetzlichen Regelungen, regionalen Gegebenheiten und der Zahlungsfähigkeit der Mieter.
Zudem unterstellt das Argument, dass Vermieter unmittelbar auf ein Grundeinkommen reagieren würden – unabhängig davon, ob sich an der tatsächlichen Wohnraumsituation etwas verändert hat.
Was gegen dieses Gegenargument spricht:
Steigende Mieten sind bereits heute in vielen Regionen ein großes Problem – ganz ohne Grundeinkommen.
Die Ursachen liegen vor allem in:
- Wohnraummangel
- steigenden Bodenpreisen
- Spekulation mit Immobilien
- und unzureichendem Neubau
Ein Grundeinkommen würde diese strukturellen Ursachen nicht automatisch verändern.
Wenn mehr Menschen finanziell etwas stabiler aufgestellt sind, könnte das sogar dazu führen, dass sie sich besser gegen überhöhte Mieten wehren oder bewusstere Entscheidungen bei der Wohnortwahl treffen.
Zudem gilt auch im Wohnungsmarkt:
Vermieter können Mieten nicht unbegrenzt erhöhen, ohne das Risiko einzugehen, keine Mieter mehr zu finden – insbesondere in Regionen mit funktionierendem Wettbewerb oder regulierenden Eingriffen.
Ein weiterer oft übersehener Aspekt betrifft die räumliche Verteilung von Wohnraum:
Viele Menschen leben heute nicht dort, wo sie eigentlich leben möchten – sondern dort, wo sie Arbeit finden. Das führt seit Jahren zu einer starken Konzentration in Großstädten und Ballungszentren, während gleichzeitig in vielen ländlichen Regionen und Kleinstädten sehr viel Wohnraum leer steht.
Ein Grundeinkommen könnte hier neue Spielräume eröffnen:
- Menschen wären weniger gezwungen, für ihre Existenzsicherung in bestimmte Regionen zu ziehen
- sie könnten freier entscheiden, wo sie leben möchten
- und auch kleinere Städte oder ländliche Regionen wieder stärker in Betracht ziehen
Das könnte langfristig dazu beitragen, die bestehende Schieflage zwischen überlasteten Städten und strukturschwächeren Regionen zu verringern.
Hieraus ergibt sich eine entscheidende Frage:
Wenn Mieten schon heute steigen – ganz ohne Grundeinkommen – liegt die Ursache dann wirklich beim Grundeinkommen?
Übrigens – schon gewusst?
Wohnen ist eines der grundlegendsten Bedürfnisse des Menschen – und gleichzeitig eines der wenigen, mit denen systematisch Gewinne erzielt werden können. Steigende Mieten sind daher meist kein plötzliches Ergebnis steigender Einkommen – sondern Ausdruck eines Systems, in dem Wohnraum zugleich Lebensgrundlage und Spekulationsobjekt ist.
Vielleicht ist nicht das Grundeinkommen das Problem – sondern die Frage, warum Wohnen überhaupt ein Geschäftsmodell sein muss.
