Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

23 Das gefährdet doch die Renten!

Das gefährdet doch die Renten!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment beruht auf der Sorge, dass ein Grun­deinkom­men beste­hende Sicherungssys­teme – ins­beson­dere die Renten­ver­sicherung – schwächen oder sog­ar erset­zen kön­nte.

Dabei wird oft stillschweigend angenom­men, dass das Grun­deinkom­men zusät­zlich zu allen beste­hen­den Leis­tun­gen einge­führt wer­den müsste – und dadurch eine finanzielle Konkur­renz zur Rente entste­ht.

Zugle­ich steckt dahin­ter eine tief­ere Befürch­tung:

Dass bere­its erwor­bene Ansprüche oder langjährige Ein­zahlun­gen an Wert ver­lieren kön­nten.

Das Argu­ment richtet sich daher weniger gegen das Grun­deinkom­men selb­st – son­dern gegen die Angst, etwas zu ver­lieren, das als sich­er galt.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Ein Grun­deinkom­men ist kein fer­tiges Ersatzsys­tem, das beste­hende Struk­turen ein­fach ver­drängt – son­dern ein Mod­ell, das in ein beste­hen­des Sys­tem inte­gri­ert und schrit­tweise weit­er­en­twick­elt wird.

Dabei sind unter­schiedliche Kom­bi­na­tio­nen möglich, zum Beispiel:

  • eine Grund­sicherung durch das Grun­deinkom­men
  • ergänzt durch eine weit­er­hin beste­hende Renten­ver­sicherung
  • oder durch zusät­zliche pri­vate und betriebliche Vor­sorge

Entschei­dend ist:

Ein Grun­deinkom­men würde eine ver­lässliche Basis für alle schaf­fen – unab­hängig von Erwerb­s­bi­ografien, Unter­brechun­gen oder Leben­sum­stän­den.

Ger­ade in ein­er Zeit, in der viele Erwerb­sver­läufe brüchiger wer­den, kann das eine wichtige Ergänzung sein – auch für die langfristige Absicherung im Alter.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Was gibt mehr Sicher­heit im Alter:

Ein Sys­tem, das stark an durchge­hende Erwerb­sar­beit gebun­den ist – oder eine garantierte Grund­lage, die unab­hängig davon beste­ht?

Übri­gens – schon gewusst?

Das heutige Renten­sys­tem basiert auf einem Umlagev­er­fahren. Die aktuell Erwerb­stäti­gen finanzieren die Renten der heuti­gen Rent­ner­in­nen und Rent­ner.

Dieses Sys­tem ste­ht bere­its heute unter Druck – unter anderem durch:

  • demografis­che Verän­derun­gen
  • verän­derte Arbeits­bi­ografien
  • steigende Lebenser­wartung

Ein Grun­deinkom­men würde diese Her­aus­forderun­gen nicht automa­tisch lösen – aber es kön­nte eine zusät­zliche, sta­bile Grund­lage schaf­fen, die weniger von solchen Fak­toren abhängt.

Vielle­icht ist nicht das Grun­deinkom­men das Risiko – son­dern die falsche Annahme, dass beste­hende Sys­teme dauer­haft sta­bil bleiben.

Wie sagte einst der ehe­ma­lige Poli­tik­er Nor­bert Blüm:

Die Renten sind sich­er.

Vielle­icht war das ein­mal ein Ver­sprechen –
heute ist es eher eine Hoff­nung.