Angstfrei zum Grundeinkommen

Die Rückbesinnung auf das Normale

24 Dann steigen doch sofort die Mieten!

Dann steigen doch sofort die Mieten!

Was an diesem Gege­nar­gu­ment prob­lema­tisch ist:

Dieses Argu­ment geht davon aus, dass Ver­mi­eter die Mieten automa­tisch erhöhen wür­den, sobald Men­schen mehr Geld zur Ver­fü­gung haben.

Dabei wird jedoch überse­hen, dass Miet­preise nicht ein­fach willkür­lich fest­gelegt wer­den kön­nen. Sie entste­hen im Zusam­men­spiel von Ange­bot und Nach­frage, geset­zlichen Regelun­gen, regionalen Gegeben­heit­en und der Zahlungs­fähigkeit der Mieter.

Zudem unter­stellt das Argu­ment, dass Ver­mi­eter unmit­tel­bar auf ein Grun­deinkom­men reagieren wür­den – unab­hängig davon, ob sich an der tat­säch­lichen Wohn­raum­si­t­u­a­tion etwas verän­dert hat.

Was gegen dieses Gege­nar­gu­ment spricht:

Steigende Mieten sind bere­its heute in vie­len Regio­nen ein großes Prob­lem – ganz ohne Grun­deinkom­men.

Die Ursachen liegen vor allem in:

  • Wohn­raum­man­gel
  • steigen­den Boden­preisen
  • Speku­la­tion mit Immo­bilien
  • und unzure­ichen­dem Neubau

Ein Grun­deinkom­men würde diese struk­turellen Ursachen nicht automa­tisch verän­dern.

Wenn mehr Men­schen finanziell etwas sta­bil­er aufgestellt sind, kön­nte das sog­ar dazu führen, dass sie sich bess­er gegen über­höhte Mieten wehren oder bewusstere Entschei­dun­gen bei der Wohnort­wahl tre­f­fen.

Zudem gilt auch im Woh­nungs­markt:

Ver­mi­eter kön­nen Mieten nicht unbe­gren­zt erhöhen, ohne das Risiko einzuge­hen, keine Mieter mehr zu find­en – ins­beson­dere in Regio­nen mit funk­tion­ieren­dem Wet­tbe­werb oder reg­ulieren­den Ein­grif­f­en.

Ein weit­er­er oft überse­hen­er Aspekt bet­rifft die räum­liche Verteilung von Wohn­raum:

Viele Men­schen leben heute nicht dort, wo sie eigentlich leben möcht­en – son­dern dort, wo sie Arbeit find­en. Das führt seit Jahren zu ein­er starken Konzen­tra­tion in Großstädten und Bal­lungszen­tren, während gle­ichzeit­ig in vie­len ländlichen Regio­nen und Kle­in­städten sehr viel Wohn­raum leer ste­ht.

Ein Grun­deinkom­men kön­nte hier neue Spiel­räume eröff­nen:

  • Men­schen wären weniger gezwun­gen, für ihre Exis­ten­zsicherung in bes­timmte Regio­nen zu ziehen
  • sie kön­nten freier entschei­den, wo sie leben möcht­en
  • und auch kleinere Städte oder ländliche Regio­nen wieder stärk­er in Betra­cht ziehen

Das kön­nte langfristig dazu beitra­gen, die beste­hende Schieflage zwis­chen über­lasteten Städten und struk­turschwächeren Regio­nen zu ver­ringern.

Hier­aus ergibt sich eine entschei­dende Frage:

Wenn Mieten schon heute steigen – ganz ohne Grun­deinkom­men – liegt die Ursache dann wirk­lich beim Grun­deinkom­men?

Übri­gens – schon gewusst?

Wohnen ist eines der grundle­gend­sten Bedürfnisse des Men­schen – und gle­ichzeit­ig eines der weni­gen, mit denen sys­tem­a­tisch Gewinne erzielt wer­den kön­nen. Steigende Mieten sind daher meist kein plöt­zlich­es Ergeb­nis steigen­der Einkom­men – son­dern Aus­druck eines Sys­tems, in dem Wohn­raum zugle­ich Lebens­grund­lage und Speku­la­tion­sob­jekt ist.

Vielle­icht ist nicht das Grun­deinkom­men das Prob­lem – son­dern die Frage, warum Wohnen über­haupt ein Geschäftsmod­ell sein muss.